
Ein neuer Job veränderte alles
Durch glückliche Umstände konnte ich einen neuen Arbeitsplatz als LKW-Fahrer finden. - Meinem alten Chef, der fetten Sau, hatte ich vor meiner Kündigung noch einige Wochen Krankmeldung reingedrückt. Die einzige Möglichkeit ihm etwas heimzuzahlen. - Bei gleichem Gehalt hatte ich nun einen kleineren LKW ohne Schlafkabine. Ich wurde zwar im Fernverkehr eingesetzt, doch ich durfte ab sofort in günstigen Hotels und Pensionen übernachten. Ein Traum! Endlich ein sauberes, kühles Zimmer im Sommer, anstatt brütender Hitze und Uringestank im LKW. Ich wurde wieder wie ein Mensch behandelt und fühlte mich auch so. Es war für mich ein Quantensprung.
Der Haken an der Sache: Die Montage und Freitage
Doch auch hier war auf Dauer nicht alles Gold, was zu Beginn so wunderbar glänzte. Ich hatte montags und freitags überwiegend Be- und Entladetätigkeiten auf dem Werksgelände auszuführen. Diese Ladetätigkeiten hatte ich mit drei weiteren Kollegen gemeinsam.
Kollege 1: Der Redeschwall aus Hessen
Kollege 1 kam aus Hessen und litt unter extremem Sprechdurchfall. Er redete unentwegt, bis mir, bildlich gesprochen, das Blut aus den Ohren lief. So etwas hatte ich noch nicht erlebt. Während meiner ersten Jahre als LKW-Fahrer kämpfte ich eher gegen die Einsamkeit. Nun wurde ich montags und freitags mit einem Redeschwall penetriert. Der Mann konnte nicht fünf Minuten den Mund halten. Er redete unentwegt. Nach wenigen Wochen grauste es mir, montags und freitags in die Firma zu fahren.
Kollege 2: Die Dummheit aus Bayern
Kollege 2 kam aus Bayern. Er redete deutlich weniger, aber sein Gerede war dermaßen dumm, dass es für einen mittelmäßig intelligenten Menschen kaum auszuhalten war. Was er redete, war nur dumm und dämlich. Während Kollege 1 auch sinnvolle und intelligente Redebeiträge lieferte, war das Gesabbel von Kollege 2 einfach nur unglaublich dumm. Kollege 2 nervte also auch gewaltig, aber ich sah ihn nur montags. Damit konnte ich irgendwie leben.
Kollege 3: Der Angeber aus Niedersachsen
Kollege 3 kam aus Niedersachsen. Er war eigentlich der erträglichste der drei Kollegen, aber er war sehr launisch und bisweilen auch reichlich unverschämt. An manchen Tagen brüllten wir uns gegenseitig an. Es hatte oft nicht viel gefehlt, und es wäre handgreiflich geworden. Wenn er mal gute Laune hatte, was hin und wieder vorkam, dann prahlte er gerne von seinem Haus, seinem Auto, seinen Urlauben, seiner gutsituierten Frau, die einen Job bei der Bank hatte. Und er träumte gerne laut von den beiden fetten Renten, die sie in wenigen Jahren bekommen würden.
Meine psychische Belastung und eine Notlösung
Mich machten diese Montage und Freitage mit den „Kollegen“ krank. Wie gesagt, montags hatte ich alle drei Kollegen um mich. Freitags nur den Kollegen 1 – dafür umso heftiger, denn montags hatte er drei Opfer zum Totreden. Ich war ihm also nur zeitweise ausgeliefert, während es freitags für mich kein Entrinnen gab. Er war mit mir alleine, und es gab nur mich als Zuhörer seiner stundenlangen Monologe. Während dieser Monologe war ich wie gelähmt. Ich konnte keinen klaren Gedanken fassen und meine Arbeit kam zum Erliegen.
Überlebensstrategien entwickeln
Ich entwickelte im Laufe der Zeit eine Strategie. Montags probierte ich, schnellstens meinen LKW zu laden, um zeitig vom Hof fahren zu können. Freitags kam ich oft nach 14 Uhr zum Entladen, denn Kollege 1 verließ meistens gegen 14 Uhr das Firmengelände in Richtung Wochenende. Ich kam also nach 14 Uhr und brauchte dann nicht selten bis 20 Uhr, um meine Arbeit zu verrichten.
Wieder einmal der Dumme
Während also freitags abends alle lieben Kollegen im Wochenende waren, war ich noch mit dem LKW in der Firma. Der Redeschwall aus Hessen kostete mich einen halben Tag zusätzliche Arbeit und versaute mir meinen Freitagabend.
Beste Grüße
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