
Meine Lösung: Den Laden platt machen
Die gesammelten Stunden und die leeren Versprechungen
Wie in meiner Vorgeschichte erwähnt, sollten damals laut Gesetz alle wöchentlichen Überstunden – ab Stunde 48 bis Stunde 60 – aufgezeichnet und in einem Dreimonatszeitrahmen als bezahlte Freizeit gewährt werden. Ich sammelte also fleißig meine Überstunden. Aber ich wurde immer, wenn ich nach dem Freizeitausgleich fragte, auf „später“ vertröstet.
Irgendwann hatte ich mehr als 500 Überstunden gesammelt. Mir wurde langsam Angst und Bange. Würden mir jemals diese 500 Stunden als bezahlte Freizeit gewährt werden? 500 Stunden sind immerhin 10,5 Wochen bezahlte Freizeit. Das konnte ich mir mittlerweile nicht mehr vorstellen.
Die Resignation der Kollegen
Ich unterhielt mich mit meinen Kollegen über das Thema. Ihnen ging es genauso. Alle waren der Meinung, dass wir diese Überstunden besser vergessen sollten. Die älteren Fahrer, die die Branche besser kannten, lachten nur und meinten: „Vergiss es, die kriegst du nie.“
Die Angst der anderen und meine Ausgangslage
Keiner hatte den Mumm, dagegen etwas zu unternehmen. Alle waren froh, überhaupt einen Job zu haben. Die älteren Fahrer wollten ihre paar Jahre bis zur Rente noch in der Firma bleiben. Als 60-jähriger LKW-Fahrer schmeißt man seinen Job nicht einfach weg. Die jungen Fahrer hatten oft eine Familie, eine Mietwohnung und einen Kredit. Die konnten weder vor noch zurück.
Oder sie kamen aus Osteuropa zum Geldverdienen. Denen war es egal. Sie schickten ihr Geld zu ihren Familien. Sie hausten irgendwo auf dem Speditionsgelände und Freizeit bedeutete ihnen nichts.
Mir bedeutete Freizeit nicht nur etwas, Freizeit war existenziell für mich. Ich hatte keine Kredite und wohnte mit meiner Familie in meinem eigenen Haus. Und ich hatte noch etwas: eine Rechtsschutzversicherung.
Der Funke zündet: Anzeige bei der Berufsgenossenschaft
Und genau diese explosive Mischung aus 500 Überstunden, Frust ohne Ende, einer Rechtsschutzversicherung und genug Mumm in den Knochen brachte den Stein ins Rollen. Ich erstattete Anzeige bei der Berufsgenossenschaft. Parallel schrieb mein Anwalt meinen Arbeitgeber an. Der Rest ist Geschichte.
Der Sieg – und seine Folgen
Ich bekam meine 10,5 Wochen bezahlte Freizeit. Alle meine Kollegen bekamen ihre Überstunden auch bezahlt. Die Firma war anschließend pleite und wurde von einem Wettbewerber übernommen. Die Verantwortlichen wurden entlassen. Geil, oder? Naja, vielleicht nicht für alle, aber für mich. Ich habe es gefeiert!
Der Sieg hinterlässt Narben
Obwohl diese Episode für mich gut ausgegangen war, so hatte sie trotzdem ihre Narben in meiner Psyche hinterlassen. Mein Vertrauen in die Speditionsbranche war bei Null.
Neuanfang in gleicher Branche
Beruflich musste ich mich neu orientieren. Und weil ich nun zwei Jahre Erfahrung im Autotransport hatte, bewarb ich mich in der gleichen Branche wieder – mit Erfolg.
Beste Grüße
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