WENN DEIN JOB DICH KRANK MACHT

Episode 7: Der 13-Euro-Betrug

So wurde ich abgezockt und gedemütigt.


Neuer Ärger kommt auf

Bisher hatten mich bei meinem neuen Arbeitgeber nur einzelne Kollegen genervt und den Spaß an der Arbeit genommen. Nun kam hierzu eine große Enttäuschung seitens der Geschäftsleitung und des Betriebsrates.

Das Versprechen vom Inhaber

Bei meinem Einstellungsgespräch versprach mir der Inhaber des Unternehmens, dass ich vermögenswirksame Leistungen bekommen würde. Das gleiche Versprechen gab er auch Kollege 1, der zeitgleich mit mir eingestellt wurde. Während Kollege 1 sofort davon Gebrauch machte, bat ich um etwas Bedenkzeit. Ich war mit den üblichen Sparverträgen in Geldwerten nicht so ganz glücklich. Ich wollte gerne in Sachwerte sparen, also Aktien, Edelmetalle oder Immobilien.

Die Sache verschlafen – und kein schönes Erwachen

Leider vergaß ich im Laufe der Zeit, mich um ein passendes VWL-Investment zu kümmern. Irgendwann griff Kollege 1 an einem Montag das Thema auf und hielt mir einen Vortrag über seine vermögenswirksamen Leistungen. Prompt hatte ich das Thema wieder auf dem Schirm. Ich schrieb eine Mail an die Lohnbuchhaltung, um mich zu informieren, wie ich genau die VWL beantragen solle.


Die Mauer des Schweigens

Eine Antwort bekam ich nicht. Auch mehrmaliges Nachfragen führte zu keiner Antwort. Ich wurde vertröstet. Ja, die Dame müsse erst mit dem Geschäftsführer reden. Ja, sie habe ihn noch nicht dazu befragen können, und so weiter. Ich suchte meinen Arbeitsvertrag. Darin musste das doch klar geregelt sein? War es aber nicht. Kein einziges Wort dazu. Plötzlich wurde mir mulmig. Die werden doch nicht etwa…? Die Wochen vergingen, und ich bekam nur Ausflüchte zu hören.

Der Betriebsrat versagt kläglich

Jetzt schaltete ich den Betriebsrat mit ein, der auch mein direkter Vorgesetzter war. Und wieder verging die Zeit, und es geschah nichts. Das kam mir immer merkwürdiger vor. Es ging zwar nur um einen Arbeitgeberzuschuss von 13 Euro monatlich, aber auf 7 Jahre gerechnet kommen immerhin 1092 Euro zusammen. Für einen LKW-Fahrer eine Menge Geld. Der Betriebsrat besann sich auch darauf, mich mit Floskeln abzuspeisen. Das war wohl der bequemste Weg, einem unangenehmen Gespräch mit der Geschäftsleitung aus dem Weg zu gehen.

Die ernüchternde Wahrheit

Jetzt wendete ich mich persönlich an die Sekretärin des Geschäftsleiters. Sie gab mir dann wenigstens mal eine klare Antwort: Laut meinem Arbeitsvertrag hätte ich kein Anrecht auf einen Arbeitgeberzuschuss zu vermögenswirksamen Leistungen. Punkt.

Die Erkenntnis: Nur ein nützlicher Idiot

Das muss man sich mal vorstellen! Alle meine Kollegen bekommen die 13 Euro monatlich, und ich bin der einzige Fahrer der Firma, der darauf keinen Anspruch hat. Eine Unverschämtheit! In diesem Moment wusste ich, dass ich auch in dieser Firma nur ein nützlicher Idiot bin, der den Laden am Laufen hält.